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Gästebuch

 

aktualisiert 29.01.2012

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   ....wie war das doch nochmal damals???

An einem heissen Augustabend des Jahres 16 v.Chr. erschien Venus bei Kaiser Augustus. Die Hitze Roms war schier unerträglich. Da sagte Venus “Mein Geliebter, Du solltest uns eine Sommerresidenz in Allgovia (deut. Allgäu) errichten, dort ist das Klima einfach wundervoll und auch die Landschaft samt ihren Bewohnern”. Augustus fragte sie erstaunt wo denn dieses Allgovia liege, schliesslich habe er doch die halbe Welt erobert aber noch nie davon gehört. Da berichtete Venus: “Als meine Grossmutter Gaia diese Erde erschaffen hatte, musste sie feststellen, dass sie einen winzigen Flecken vollkommen vergessen hatte.
Sie grübelte lange und kam dann zu einem wahrhaft göttlichen Entschluss. Sie nahm von allen Teilen der Erde die schönsten Zutaten, mischte sie und warf sie auf dieses öde Stück Erde. So entstand Allgovia, der schönste Ort der Erde.
Es liegt hinter den grossen Bergen, nördlich der Alpen.” Aus Liebe zu Venus stellte Augustus ein Heer auf und schickte seine Stiefsöhne Drusus und Tiberius im folgenden Jahr über die Alpen, um dort seinen Sommersitz zu erbauen.
Zugegeben, diese Legende ist sehr frei interpretiert, aber so hätte es immerhin sein können.

Dokumentiert ist folgende Version:

Das römische Raetien     (Danke an Jens Peuser aus Köln für den Text)

 Die Provinz Raetia umfasste das heutige Südbayern, das östliche Baden-Württemberg,
die südliche und östliche Schweiz, das westliche Österreich und Teile Norditaliens.

15 v. Chr. eroberten Drusus und Tiberius, die Stiefsöhne des Kaisers Augustus, große Teile der Alpen
und ihres Vorlands. Einige Stämme der hier siedelnden Raeter und Vindeliker lieferten sich Kämpfe mit den vorrückenden römischen Truppen, während andere sich freiwillig unterwarfen. Nach diesen Stammesverbänden benannten die Römer auch ihre Provinz: provincia Raetia et Vindelicia, oft kurz als Raetia bezeichnet.

Zunächst endete das Provinzgebiet an der oberen Donau: hier errichteten Hilfstruppen (auxilia) bis zur Mitte
des 1. Jahrhunderts n. Chr. eine Reihe von Kastellen, u. a. in Ehingen-Rißtissen und Burghöfe (Submuntorium).
Der Hauptort der Provinz (caput provinciae) und Sitz des Statthalters (procurator Augusti) war wahrscheinlich zunächst Kempten (Cambodunum).

Wichtige Straßen durchzogen Raetien: Die Rhein- und Donauprovinzen verband die Straße, die vom Legionslager Windisch (Vindonissa) über Bregenz (Brigantium) und Kempten (Cambodunum)  nach Salzburg (Iuvavum) führte.

Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) baute die bereits seit Augustus bestehende Straßenverbindung mit Italien aus:
Die Via Claudia Augusta begann in Altino (Altinum) am Adriatischen Meer, verlief durch die Alpen bis zur späteren Hauptstadt Augsburg (Augusta Vindelicum) und endete am Grenzkastell Burghöfe (Submuntorium) an der Donau (Danuvius). Eine weitere wichtige Straße führte von Mailand (Mediolanum) über Como (Comum) und Chur (Curia) nach Bregenz (Brigantium) und Kempten (Cambodunum).
Der Gütertransport erfolgte allerdings bevorzugt auf den Flüssen.

Im späten 1. und frühen 2. Jahrhundert verschob sich die Grenze nach Norden.
Neue Kastelle entstanden u. a. in Heidenheim (Aquileia), Weißenburg (Biriciana) und Künzing (Quintana).

Seit Beginn des 2. Jahrhunders residierte der Statthalter Raetiens in Augsburg (Augusta Vindelicum).
Kaiser Hadrian erhob die Stadt (117–138 n. Chr.) in den Rang eines Munizipiums; sie hieß nun municipium Aelium Augusta Vindelicum und entwickelte sich zur größten Stadt Raetiens.

Antoninus Pius (138–161 n. Chr.) verschob die Grenzlinie im Westen Raetiens; neu entstanden  Kastelle
z. B. in Schwäbisch-Gmünd, Aalen und Rainau-Buch. Als in den Markomannenkriegen (165–175; 177–182 n. Chr.) auch Orte in Raetien zerstört wurden, verstärkte die legio III Italica die Grenztruppen.
Die Legion war seit 179 n. Chr. in Regensburg (Reginum) stationiert. Ihr senatorischer Kommandeur übernahm
die Funktion des Statthalters (legatus Augusti pro praetore provinciae Raetiae).

Im Laufe des 3. Jahrhunderts häuften sich Überfälle und Plünderungszüge germanischer Stammesverbände,
vor allem der Alamannen und Juthungen. Trotz mehrfacher römischer Siege konnte das westraetische Gebiet nördlich des Bodensees dauerhaft nicht mehr gehalten werden. Seit dem letzten Viertel des 3. Jahrhunderts bildete der Donau-Iller-Rhein-Limes die nördliche Grenzlinie Raetiens. Festungen entstanden u. a. in Pfyn (Ad Fines),
Kempten (Cambodunum), Isny (Vemania), Kellmünz (Caelius Mons), Burghöfe (Submuntorium) und
Eining (Abusina). Im 4. Jahrhundert wurde Raetien in zwei Provinzen geteilt: in die Raetia I mit der Hauptstadt Chur und in die Raetia II mit der Hauptstadt Augsburg. Trotz des starken wirtschaftlichen Niedergangs und wachsender Unsicherheit verblieben bis zum Ende des weströmischen Reiches 476 n. Chr. noch einzelne Grenztruppen und eine nennenswerte romanische Bevölkerung in Raetien. Längst siedelten hier auch verschiedene Germanenstämme,
die in römische Dienste traten. Aus diesem „Völkergemisch“ bildete sich das frühmittelalterliche Stammesherzogtum der Bajuwaren heraus.

Im Zuge der Völkerwanderung kamen viele unterschiedliche Völker und hinterliessen ihre Spuren bis in die Neuzeit hinein,
so dass die Nachkommen der Bajuwaren heute das multikulturellste Volk der ganzen Welt sind.

Die Villa rustica bei Kohlhunden

Der römische Gutshof (villa rustica) bei Kohlhunden wurde Ende 2001 beim Bau der Staatsstraße entdeckt.
Bekannt sind Überreste von zehn Gebäuden. Die drei östlichen Bauten sowie der Südteil des Haupthauses wurden durch geoelektrische Untersuchungen festgestellt. Die geoelektrische Prospektion macht Bodendenkmäler sichtbar, indem auf einer Fläche die elektrische Widerstandsverteilung mit Sonden gemessen wird. 

Das Haupthaus liegt auf der Geländekuppe inmitten des Landguts (fundus). Es war das größte Gebäude und weithin sichtbar. In ihm wohnte der Besitzer mit seiner Familie. Das Kohlhundener Hauptgebäude gehört einem nördlich
der Alpen häufigen Bautyp an: An der Vorderseite lag zwischen zwei Eckbauten (Risaliten) eine offene Säulenhalle (porticus). Dahinter folgte eine hohe, querliegender Halle. Die äußere Gestalt sollte die Besucher beeindrucken und vom Wohlstand des Besitzers zeugen. In Borg wurde das Haupthaus einer Villa mit einem Nebentrakt und einer Badeanlage wiederaufgebaut. Keinesfalls sind diese ländlichen Wohnhäuser kleine, bescheidene, ärmliche,
rein zweckmäßige Behausungen. 

Leider sind die Funktionen der einzelnen Räume meist nicht mehr zu klären. Oft ist ein Keller (cella) vorhanden. Sicher gab es eine Küche (culina) und einen Speiseraum (triclinium). Das triclinium römischer Häuser war aufwendig dekoriert. In ihm speisten häufig Gäste. Die Wohnräume (cubicula) lagen wohl im Obergeschoß.

Der ausgegrabene Nordrisalit besaß im Erdgeschoß einen Fußboden aus Kalkmörtel. Bruchstücke von bemaltem Wandputz bezeugen eine bunte Innendekoration. Eine kurze Treppe führte zur porticus

Das Badegebäude liegt 40 m westlich des Haupthauses. Die Funktion der neun weiteren Nebengebäude ist nur schwer zu bestimmen. Einige dürften als Tierställe gedient haben, andere als Schuppen, Scheunen, Speicher und Werkstätten. Vielleicht existierte auch ein kleiner Tempel. Der Friedhof konnte bisher nicht lokalisiert werden.
Der 10,5 x 10,5 m große Holzbau wurde später durch ein gleich großes Gebäude mit Steinfundamenten ersetzt. Solche unscheinbaren Nebenbauten konnten stattliche Höhen von bis zu 12 m erreichen. 

Die Bewirtschaftung des Landes durch verstreut liegende Einzelgehöfte ist für die römische Zeit charakteristisch.
Die Villae rusticae produzierten nicht nur für den Eigenbedarf, sondern erwirtschafteten einen Überschuß.
Der Kohlhundener Hof versorgte die Kemptener Bevölkerung und vielleicht auch Soldaten in den Militärlagern.

Die Besitzer gehörten zu den wohlhabenden Schichten der römischen Gesellschaft. Oft verpachteten sie die Landgüter. Auf den Höfen wohnten nicht nur der Eigentümer bzw. Pächter mit seiner Familie, sondern auch Landarbeiter und Tagelöhner. Wahrscheinlich gehörten zur Kohlhundener familia einige Sklaven. 

Die Villae rusticae betrieben Ackerbau, Viehzucht und Handwerk. In der Viehzucht dominierte das Rind, daneben wurden Pferde, Schweine, Schafe, Ziegen, Bienen, Hühner, Enten, Gänse und Tauben gehalten. Wildschweine, Hirsche, Hasen, Rehe, Rebhühner u. a. waren eine schmackhafte Jagdbeute. Auch Hunde und Katzen lebten auf den Höfen. Archäozoologische Knochenanalysen werden herausfinden, welche Tiere in Kohlhunden gehalten und verspeist wurden.

Der Kuhstallweiher diente vermutlich nicht allein als Viehtränke, sondern auch zur Fischzucht, als Löschwasserreservoir und Idyll. Bau- und Brennholz lieferte der Wald. 

Die Römer bauten vorwiegend Dinkel, Weizen und Gerste an, seltener Einkorn, Emmer, Hafer, Hirse und Roggen. Wichtige Nutzpflanzen waren außerdem Linse, Erbse, Bohne; Lein, Leindotter, Mohn und Hanf. Auf Obstbäumen wuchsen Äpfel, Birnen, Pflaumen, Zwetschgen, Schlehen und Kirschen. Auch Salate, Zwiebeln, Mangold, Kohl, Gurken, Rettich, Kresse und Möhren wurden angebaut. Die Römer verwendeten zahlreiche Gewürze wie Dill, Kümmel, Petersilie, Thymian und Majoran. Gesammelt wurden Nüsse, Beeren, Pilze und Eßkastanien.

Bei modernen archäologischen Ausgrabungen werden gezielt Bodenproben entnommen. Sie enthalten Pflanzenreste, die von Archäobotanikern analysiert werden. Aus diesen Untersuchungen wird auch hervorgehen, welche Nutzpflanzen in Kohlhunden angebaut wurden. 

Im Steinbrunnen erhielten sich durch die hohe Feuchtigkeit einige Holzobjekte, darunter der Wacholdergriff eines Flechtkorbs. Wenige Meter südlich des kleinen Gebäudes wurde eine Grube entdeckt. In ihr fanden sich über
20 Tongefäße, einige davon mit Ritzinschriften, zwei Glasgefäße, ein Tintenfäßchen, ein Bronzespatel und
ein Federmesser. Diesen spektakulären Fund interpretiert die Forschung als ein Opferdepot, das nach einem privaten Kultmahl mehrerer Personen angelegt wurde. 

Nach dem aktuellen Forschungsstand entstand die Kohlhundener Villa rustica in der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. und wurde in der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. aufgegeben. Spuren einer gewaltsamen Zerstörung konnten
nicht festgestellt werden.

 

 Römische Bäder in Raetien 

Die große Verbreitung der römischen Bäder in den Provinzen zeigt, wie weit die römische Lebensweise auch in den entferntesten Teilen des Imperium Romanum angenommen wurde. Selbst die Soldaten an der Grenze und Gutsbesitzer auf ihren Einzelgehöften leisteten sich nach Möglichkeit dieses Merkmal eines gehobenen Lebensstandards. 

Die Räume für den gewohnten Badeablauf sind stets vorhanden: Kaltbad (Frigidarium), der lauwarme Raum (Tepidarium), der heiße Baderaum (Caldarium), ein Schwitzraum (Sudatorium) und ein Auskleideraum (Apodyterium). Bei den öffentlichen Bädern in den Städten waren diese Räume größer und manchmal mehrfach vorhanden. Einige Bäder besaßen zusätzliche Räumlichkeiten wie einen großen Hof (palaestra) und ein großes Badebecken (natatio). 

In Raetien wurden zahlreiche Bäder entdeckt, die die Bandbreite des römischen Badewesens zeigen.
Außer in Kohlhunden besaßen z. B. die Villae rusticae in Peiting und Schwangau Bäder.
Das Schwangauer Villenbad war mit prächtigen Wandmalereien ausgestattet. Dies zeigt, dass wir uns die ländlichen Kleinbäder nicht als überaus bescheiden und reine Zweckbauten vorstellen sollten.
Auch aus dem Kohlhundener Bad stammen Fragmente bunter Wandmalereien. 

Sowohl die Legionen als auch die Hilfstruppen errichteten in und bei ihren Standlagern Bäder.
Sie wurden auch von der Zivilbevölkerung benutzt. Konserviert sind beispielsweise die Überreste der Kastellbäder
in Weißenburg, Theilenhofen und Rainau-Buch.

In den Heilbädern der nördlichen Provinzen kurten oft Angehörige der Armee. So entstand am Ende
des 2. Jahrhunderts n. Chr., kurz nach der Errichtung des Regensburger Legionslagers, ein Thermenbau bei den Schwefelquellen in Bad Gögging. 

Aus der vermutlich ersten Hauptstadt der Provinz Raetien, Kempten (Cambodunum), sind mehrere Bäder bekannt: Das „Thermenhaus“ aus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr., die „Großen Thermen“ und die „Kleine Thermen“. Die „Großen Thermen“ wurden im späten 1. Jahrhundert n. Chr. erbaut. Sie waren ein monumentales öffentliches Bad, ein prächtiges Kennzeichen einer stolzen römischen Stadt. Die „Kleinen Thermen“ gehörten zur Statthalterresidenz. Sie zeigen, dass der procurator Augusti eine hochgestellte Persönlichkeit war.

 

Veröffentlichungen und Artikel zum Römerbad (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Priv.Doz.Dr. Andrea Faber, Universität Köln, Archäologisches Institut (zus. mit W. Czysz)
Die villa rustica am Kuhstallweiher von Marktoberdorf-Kohlhunden. Ber. Bayer. Bodendenkmalpfl. 49, 2008, 227-365.
 

Das Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB weist auf seiner Website “baufachinformation.de” auf einen Aufsatz hin, im...
Jahrbuch der Bayerischen Denkmalpflege. Forschungen und Berichte Bd. 56/57 für die Jahre 2002/2003
Die Römervilla am Kuhstallweiher bei Marktoberdorf-Kohlhunden und das Opferdepot
 Autor: Czysz, Wolfgang; Scholz, Markus; Seiten:9-14; 2006
 

Dr. Markus Scholz - Mitarbeiter des RGZM (Römisch-Germanisches-Zentralmuseum in Mainz)
W. Czysz/M. Scholz, Götterspeise - Ein Opferdepot am Rand der Römervilla von Marktoberdorf-Kohlhunden, Lkr. Ostallgäu, Schwaben. Arch. Jahr Bayern 2002, 74-78.
 

Brüning, Tanja:
Wie einst die Römer baden gingen : Geschichte des Römerbades Marktoberdorf in Kohlhunden
Ut olim Romani balneabant / von Tanja Brüning, geb. Moll.
Ganderkesee : EPLA-Verl., 2008. - 49 S. : zahlr. Ill., Kt., 21 cm, 116 gr.   ISBN 978-3-940554-22-2    2009 R 244
Universitätsbibliothek Heidelberg

Denkmalschutz-Informationen herausgegeben vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz 2007
 

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